Das Wichtigste im Überblick
- Üppige Kartoffelkulturen schaffen während der Wachstumszeit die leuchtend grünen Bänder an den Hängen von Biei und wechseln jährlich auf andere Felder.
- Weizen und Bohnen erzeugen mit zunehmender Reife goldene und braune Farbtöne und wechseln jedes Jahr ihren Standort, wenn die Landwirte ihre Kulturen rotieren lassen.
- Die Fruchtfolge verlegt jedes Jahr andere Pflanzen auf neue Felder und malt die Hänge in jeder Saison mit neuen Farbfolgen aus.
- Die wellige Landschaft fördert die Entwässerung und Bodengesundheit, während Reihen von Windschutzbäumen die Kulturen vor den starken Winden Hokkaidos schützen.
- Die größeren Felder von Biei spiegeln regionale Anbaumethoden wider, die sich von den kleineren Parzellen unterscheiden, die andernorts in Japan typisch sind.
Warum Bieis Hügel bunte Streifen tragen
Die Flickenteppich-Landschaft von Biei scheint sich mit den Jahreszeiten zu verändern, denn die Hügel selbst sind keine statische Galerie. Was wie die Palette eines Künstlers wirkt, ist in Wirklichkeit ein lebendiger landwirtschaftlicher Kalender, bei dem jedes Farbband für eine andere Kulturpflanze in einer anderen Phase ihres Wachstumszyklus steht. Der Streifeneffekt entsteht durch das in den landwirtschaftlichen Regionen Hokkaidos praktizierte vierjährige Fruchtfolgesystem. Mit Kartoffeln bepflanzte Felder leuchten in der frühen Wachstumsphase goldbraun, während ausgewachsene Kartoffelpflanzen tiefgrüne Flächen bilden. Reifer Weizen steht in hellem Bernsteinton, und Hülsenfrüchte wie Bohnen zeigen je nach Sorte und Reifegrad hellere Grüntöne und gelegentlich Violett. Diese Fruchtfolge dient nicht der Dekoration, sondern ist ein unverzichtbarer Teil der Bodenpflege: Sie verhindert Nährstoffmangel und die Ausbreitung von Krankheiten, die die Erträge mit der Zeit sonst verringern würden.
Um diese Farben zu verstehen, muss man wissen, was wo und wann wächst. Wer im Hochsommer über Patchwork Road fährt oder die Aussicht von Shikisai no Oka genießt, erlebt die Landschaft anders als Besucher im Herbst. Die Pflanzen haben dann andere Entwicklungsstadien erreicht, und die Landwirte haben andere Felder mit anderen Kulturen neu bepflanzt. Das hügelige Gelände führt zudem dazu, dass Pflanzen in unterschiedlichen Höhenlagen leicht zeitversetzt reifen, was die Farbvielfalt noch verstärkt. Das ist kein Zufall, sondern Präzisionslandwirtschaft in einem vierjährigen Zyklus, der über Generationen der Landwirtschaft in Hokkaido verfeinert wurde.
Kartoffeln: Goldene und grüne Bänder
Kartoffeln gehören zu den optisch markantesten Kulturen in der Fruchtfolge von Biei. Das liegt zum einen an den großen Anbauflächen, zum anderen daran, dass sich ihre Farbe während der Entwicklung deutlich verändert. Gepflanzt wird in der Regel Ende April und Anfang Mai, wenn der Boden ausreichend erwärmt ist, damit die Knollen zuverlässig keimen. Frisch bepflanzte Kartoffelfelder zeigen sich zunächst als braune, frisch bearbeitete Erde und werden innerhalb von zwei bis drei Wochen hellgrün, sobald die ersten Triebe erscheinen. Bis Mitte Juni sind die Kartoffelpflanzen kräftig gewachsen und bilden die mittel- bis dunkelgrünen Bänder, die von höher gelegenen Aussichtspunkten sichtbar sind. Im Juli blühen die Pflanzen mit kleinen weißen oder rosafarbenen Blüten, die dem grünen Blätterdach subtile Farbakzente verleihen. Die Ernte beginnt im September und dauert bis in den Oktober. Dann sterben die oberirdischen Pflanzenteile ab, und die Felder werden wieder braun, wenn sie geräumt und für die nächste Phase der Fruchtfolge vorbereitet werden.
Dass Kartoffeln so große Flächen auf den Feldern Hokkaidos einnehmen, hängt mit Boden und Klima zusammen. Die kühleren Temperaturen und die kürzere Vegetationsperiode Hokkaidos eignen sich besser für den Kartoffelanbau als viele andere Regionen Japans. Kartoffeln benötigen gut durchlässige Böden und profitieren von den eiszeitlichen Lössablagerungen, die das Gelände von Biei prägen. In einer typischen Fruchtfolge wachsen auf einem Feld ein Jahr lang Kartoffeln, in den Folgejahren Weizen oder Bohnen. Nach Abschluss des vierjährigen Zyklus kehrt der Kartoffelanbau auf einer anderen Parzelle zurück. So wird die Ansammlung kartoffelspezifischer Schädlinge und Krankheiten verhindert, während die Zwischenkulturen die Bodennährstoffe wieder auffüllen.
Weizen: Die Ernte in Bernstein und hellem Gold
Weizen erscheint in Biei meist in helleren, goldeneren Bändern als die tiefgrünen Kartoffel- oder Bohnenfelder, besonders wenn das Getreide der Reife entgegengeht. Sommerweizensorten werden im April und Mai ausgesät und wachsen über den Sommer zu hohen, schweren Ährenpflanzen heran, die im August und September erntereif sind. Reifer Weizen zeigt sich strohfarben, wobei der Ton mit zunehmender Kornreife und dem Trocknen der Pflanzen immer intensiver wird. Die Ernte erfolgt in der Regel im September, manchmal abhängig vom Wetter bis Anfang Oktober. In einigen Gebieten wird auch Winterweizen angebaut. Er wird im Herbst ausgesät, überwintert im Boden und wächst im Frühjahr weiter, bevor er im Juli oder August geerntet wird. Ob Sommer- oder Winterweizen angebaut wird, hängt von der bisherigen Nutzung des Feldes innerhalb der Fruchtfolge und von den Vorlieben der Landwirte ab.
Weizen erfüllt in der Fruchtfolge von Biei neben seinem wirtschaftlichen Wert als Getreide mehrere Funktionen. Er unterbricht Schädlingszyklen, die sich auf Kartoffel- oder Bohnenfeldern aufbauen können. Die Wurzeln des Weizens reichen tiefer in den Boden als die mancher anderer Kulturen, verbessern die Bodenstruktur und helfen, verdichtete Schichten aufzubrechen. Das nach der Ernte verbleibende Stroh kann als organische Substanz in den Boden eingearbeitet werden und erhöht so die Fruchtbarkeit für die nächste Aussaat. Im Landschaftsbild schaffen Weizenfelder jene unverwechselbare hellgoldene oder bernsteinfarbene Wirkung, die Biei besonders aus der Höhe wiedererkennbar macht - vor allem im Spätsommer, wenn das Getreide voll ausgereift ist und seine Farbe am intensivsten leuchtet.
Bohnen und Hülsenfrüchte: Das grüne Fundament der Fruchtfolge
Bohnenkulturen wie Sojabohnen, Azukibohnen und Futtererbsen bilden einen entscheidenden dritten Bestandteil des Fruchtfolgesystems in Biei. Diese Hülsenfrüchte werden im Mai und Juni ausgesät und schaffen während ihrer Wachstumszeit dunklere oder mittelgrüne Felder. Meist erreichen die Pflanzen bis Ende September oder Oktober ihre volle Reife und sind erntereif. Ihre landwirtschaftliche Bedeutung liegt in ihrer Fähigkeit, durch eine symbiotische Verbindung mit Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Atmosphäre im Boden zu binden. Durch diese Stickstoffanreicherung benötigen Felder nach einer Hülsenfrucht weniger synthetischen Stickstoffdünger, was Kosten und Umweltbelastung reduziert. Sojabohnen erscheinen in einigen Wachstumsphasen etwas heller als andere Bohnen und lassen sich dadurch im Flickenteppich unterscheiden, während Azukibohnen im Laub manchmal violette Töne zeigen.
Die vierjährige Fruchtfolge ist typischerweise so aufgebaut, dass auf einem Feld im ersten Jahr Kartoffeln, im zweiten Jahr Weizen und im dritten Jahr Bohnen wachsen. Im vierten Jahr folgt dann entweder eine weitere Kultur oder eine Brache zur Regeneration, bevor der Zyklus wieder mit Kartoffeln beginnt. Dieser gestaffelte Ansatz sorgt dafür, dass das Jahr mit Hülsenfrüchten auf Kulturen folgt, die dem Boden Stickstoff entzogen haben, sodass sich seine Fruchtbarkeit auf natürliche Weise erholen kann. Für Besucher auf Patchwork Road oder mit Blick auf die Landschaft von Shikisai no Oka bieten Bohnenfelder optische Abwechslung und tragen zu den saisonalen Farbwechseln bei, die diese Landschaft so unverwechselbar machen.
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Die Höfe auf Hokkaido sind im Durchschnitt 20 hectares groß und damit fast viermal so groß wie Felder in anderen Teilen Japans.
Hügeliges Gletschergelände und Feldgrößen
Die charakteristischen sanften Hügel von Biei sind ein Ergebnis der eiszeitlichen Geschichte Hokkaidos. Während der letzten Eiszeit rückten Gletscher über das nördliche Hokkaido vor und zogen sich wieder zurück. Dabei hinterließen sie Schichten aus Geschiebemergel und Löss. Diese Materialien sind in Dichte und Zusammensetzung meist leichter als die vulkanischen Böden, die andere Teile Japans prägen. Da sie ungleichmäßig abgelagert wurden, entstand die heute sichtbare wellige Topografie. Die Hügel sind nicht steil, sondern bilden sanfte Wellen, die mechanisierte Landwirtschaft ermöglichen und von bestimmten Aussichtspunkten dennoch eindrucksvoll wirken. Die Höhenlagen in Biei reichen etwa von 200 bis 500 metres. Das mag bescheiden erscheinen, reicht aber aus, um messbare Unterschiede bei Temperatur und Feuchtigkeit zu schaffen, die den Zeitpunkt der Pflanzenentwicklung und ihr Erscheinungsbild beeinflussen.
Das hügelige Gelände beeinflusst auch, wie die Felder aufgeteilt und bewirtschaftet werden. Landwirte müssen sich an den Höhenlinien orientieren, um Erosion an den Hängen zu vermeiden. Daher richten sich Größe und Form der Felder nach den natürlichen Wellen des Geländes, statt einheitliche Rechtecke zu bilden. So entsteht das unregelmäßige und doch stimmige Flickenteppichmuster, das Biei optisch so besonders macht. Im Vergleich zu flacheren Agrarregionen auf Honshu, wo Felder größer und gleichförmiger geformt sein können, arbeitet man in Biei mit der Landschaft statt gegen sie. Von oben oder von erhöhten Aussichtspunkten wie Shikisai no Oka betrachtet, entsteht dadurch ein vielschichtigeres und strukturreicheres Bild.
Windschutzbaumreihen und Bodenschutz
Baumreihen, die quer zum Hang oder entlang von Feldgrenzen verlaufen, erfüllen in der Agrarlandschaft von Biei mehrere praktische Funktionen. Diese Windschutzpflanzungen, die oft aus Nadelbäumen oder gemischten Baumarten bestehen, verringern die Windgeschwindigkeit über offenen Feldern. Dadurch verlieren Boden und Pflanzen während der Vegetationsperiode weniger Feuchtigkeit. Das Klima Hokkaidos bringt Phasen mit starkem Wind mit sich, besonders im Frühjahr und Frühsommer, wenn junge Pflanzen anwachsen. Ein Windschutz kann die Verdunstungsbelastung für Kartoffel-, Weizen- und Bohnenkulturen in entscheidenden Wachstumsphasen verringern. Die Bäume stabilisieren außerdem den Boden an den sanften Hängen und mindern die Erosion bei Starkregen. Im Winter fangen die Baumreihen Schnee auf, der mehrjährige Pflanzen isoliert und beim Schmelzen im Frühjahr zur Bodenfeuchte beiträgt.
Optisch bilden diese Windschutzreihen die linearen Elemente, die dem Flickenteppich von Biei viel von seiner geometrischen Struktur verleihen. Ohne sie würde die Landschaft wie eine undifferenzierte Masse aus Feldfarben erscheinen. Mit ihnen nimmt das Auge die Landschaft als eine Reihe von Parzellen und Abgrenzungen wahr, jede mit eigener Kultur und Farbe. Die Baumreihen rahmen auch die Aussichten von beliebten Aussichtspunkten ein, etwa von jenen, die während der Coloured Hokkaido tour besucht werden. Dadurch wirkt die Landschaft fotogener und lässt sich leichter als Folge klar abgegrenzter landwirtschaftlicher Flächen erfassen. Die Verbindung aus Windschutzbäumen und hügeligem Gelände erzeugt den Effekt, der Biei zu einem Ziel für Besucher gemacht hat, die sich für Agrarlandschaften interessieren.
Warum die Felder Hokkaidos jene auf Honshu überragen
Die landwirtschaftlichen Felder in Hokkaido sind deutlich größer als die typischen Parzellen auf Honshu. Dieser Unterschied spiegelt sowohl die Geografie als auch die Geschichte der Landwirtschaft wider. Hokkaido wurde während der Meiji-Zeit als landwirtschaftliches Grenzgebiet erschlossen, als die japanische Regierung Ansiedlung und großflächige Landwirtschaft aktiv förderte. Die Planer teilten das Land in großzügigere Parzellen auf als in den seit Langem besiedelten Regionen von Honshu, wo Felder durch Erbschaften und jahrhundertelange landwirtschaftliche Nutzung in kleinere Einheiten aufgeteilt worden waren. Das kühlere Klima Hokkaidos eignete sich zudem für bestimmte großflächig angebaute Kulturen wie Kartoffeln und Getreide, die auf größeren Flächen effizienter bewirtschaftet werden können, weil sich der Einsatz von Maschinen wirtschaftlich lohnt. Ein typisches Weizen- oder Kartoffelfeld in Biei kann mehrere Hektar umfassen, während entsprechende Kulturen auf Honshu oft auf wesentlich kleineren Parzellen wachsen.
Auch das hügelige Gelände von Biei beeinflusst die Feldgrößen. Obwohl der Gletscherlössboden hervorragend für die Landwirtschaft geeignet ist, müssen sich die Felder in der welligen Landschaft an den Höhenlinien orientieren und können nicht immer die auf flachem Land mögliche rechteckige Einheitlichkeit erreichen. Trotz dieser Einschränkung sind die Felder in Biei deutlich größer als der Durchschnitt auf Honshu, da das grundlegende Siedlungsmuster von Anfang an größere Flächen vorsah. Dieser Größenunterschied wirkt sich unmittelbar auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Landwirtschaft aus. Größere Felder ermöglichen den Einsatz größerer Maschinen, schnellere Aussaat- und Erntearbeiten sowie bessere Skaleneffekte. Aus landschaftlicher Sicht bedeutet dies, dass die Farbflächen im Flickenteppich von Biei selbst sehr groß sind. So entsteht der markante Streifeneffekt, der die Region von erhöhten Aussichtspunkten während der Coloured Hokkaido tour so unverwechselbar macht.
